Das Manifest 2010
der
Philosophie lebender Systeme

 Der Säugling

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Kurzgeschichten
zur Entspannung

A
In der Berliner U-Bahn

U-Bahn-Esser

Die nette Motzverkäferin

Damenwahl

Die spitzen Schuhe

B
Im menschlichen Körper

Die tierischen Energiespeicher

Die Post des Körpers

C
Biograhisches

Der Auftritt

Der Maikäfer

D
Zur Zivilisation

Die Bedeutung des Nuckels

 

Aufsätze zur Rolle des Mannes:

Sexualität

Der Penisreflex

Der Brustneid

 

Ausschnitt aus

Rudi Zimmerman:
Das System Mensch.
Konstruktion und Kybernetik des neuen ganzen Menschen.
Berlin. 2004. ISBN 3-00-012784-4

4.2. Die körperliche Geburt des Systems Mensch und die Säuglingszeit

Ich habe eine andere Schnittführung zwischen dem Menschen und der Welt, zwischen dem ICH und dem NICHT-ICH vorgeschlagen, die womöglich willkürlich erscheint. Im folgenden Kapitel möchte ich die Herkunft dieser Schnittführung darlegen. Ich habe diese Schnittführung nämlich nicht erfunden oder mir aus den Fingern gesogen, sondern ich habe sie dem Menschen abgekuckt. Es ist nämlich die Schnittführung, die jedes gesunde Individuum natürlicherweise vornimmt, wenn man es mit Hilfe des Regelkreisdenkens beobachtet. Keine Beobachtung ist objektiv, auch diese Beobachtung nicht. So kann ich auch keinen Anspruch auf Objektivität oder Wahrheit erheben. Der Wahrheitscharakter meiner Darstellung unterscheidet sich allerdings letzten Endes in Nichts von dem einer sogenannten wissenschaftlichen Disziplin, denn auch diese gründet ihre Erkenntnisse auf die Beobachtung eines Teils der Welt mittels irgendeiner die Natur einschränkenden Methode. Der Unterschied besteht nur darin, dass es sich verbietet, mit dem Menschen Experimente zur Verifizierung oder Falsifizierung der Hypothesen zu veranstalten, wie es die Naturwissenschaftler mit den nicht-lebenden Systemen machen, die sie zum Zweck ihrer Forschung zerstören.

Da das Neugeborene nicht einmal seine Extremitäten zielgerichtet bewegen kann, nicht laufen, nicht einmal Krabbeln kann, ist es darauf angewiesen, körperexterne Effektoren zu haben, die es bedienen. Es benötigt zur Fortbewegung die Beine seiner Eltern. Mit seinen Armen kann es lediglich zappeln. Selbst zur Aufnahme fester Nahrung ist es nicht in der Lage, so dass ihm die Milch in den Mund geführt werden, später als Brei zubereitet werden muss. Der Säugling kann seine Nahrung lediglich schlucken (und verdauen). Der Mensch wird als Krüppel geboren. Er kann nicht gezielt handeln. Seine Hand ist ihm fremder als seine Mutter. Die Steuerung seiner Eltern ist zunächst leichter als die Steuerung seiner Arme.

Der erste Mensch seiner Umgebung, der Zubereiter seiner Nahrung, seine Mutter (als Metapher gemeint) ist Effektor des hilflosen Säuglings. In den Beziehungen zu seinen Eltern und zu anderen Personen ist der Säugling in der Rolle des Befehlsgebers, des Chefs, der zentralen Steuerungsstelle des Regelkreises. Und dies, obwohl dieser Säugling noch weit entfernt davon ist, seine Bedürfnisse verbalisieren zu können.

Er kann nicht sprechen.

Intrauterin musste er gar nichts tun. Über die Nabelschnur gab ihm seine Mutter alles für sein Überleben. Seine Sollwerte wurden reguliert, ohne dass er selbst etwas dafür tat, die Mutter war sein Effektor.

Nach der Geburt muss er nur zwei Dinge können: schreien und saugen. Mit Hilfe des Schreiens dirigiert er die Personen seiner Umgebung so lange, bis er etwas in den Mund bekommt, was seinen Saugreflex auslöst. Er degradiert seine Eltern zu seinen Sklaven, sie sind seine natürlichen Effektoren.

Es gibt Eltern, Mütter aber auch Väter, die mit dieser Rolle des Effektors nicht klar kommen. Bei Müttern wird dies als Wochenbettdepression, je nachdem auch als Wochenbettpsychose, bezeichnet. Die Übernahme dieser natürlichen Sklavenrolle fällt natürlich gerade solchen Elternindividuen schwer, die im Leben selbst eine Chefrolle, wie die Mutter häufig im Haushalt, haben, eine Leitungsfunktion, oder die andere Eigeninteressen haben, die unter dieser Sklavenrolle leiden.

Die Herrscherrolle des Säuglings ist ebenfalls nicht frei gewählt, sondern schicksalhaft gegeben.

Die körpereigenen natürlichen Effektoren des Säuglings, seine Muskeln, hier insbesondere die Muskeln seiner Extremitäten, funktionieren noch nicht. Deshalb ist er nach seiner Geburt auf körperexterne Effektoren angewiesen. Ich möchte es noch härter ausdrücken:

Seine Mutter ist ihm näher als sein Arm.

Seinen Vater und seine Mutter und andere lebenden Effektoren seiner Umgebung, beherrscht der Säugling besser als die Motorik seiner Extremitäten.

Bereits bei der Geburt ist klar: der Mensch ist als Individuum nicht lebensfähig. Nach der Geburt gehören noch nicht einmal seine Extremitäten zu ihm, sie sind noch nicht seine. Er muss sie erst noch zu den seinen machen. Seine Eltern in ihrer Effektorenrolle sind sein erstes körperexternes Eigentum. Bereits seit seiner Geburt besteht der Mensch aus mehr als aus seinem Körper. Schon nach seiner Geburt kann man ihn daher auch als "System Mensch" beschreiben.

Ich habe hier die Funktion des Säuglings mit einer Chefrolle beschrieben. Es handelt sich hier ja genau um die Rolle, die im Regelkreis des Systems Mensch irgendwo im Zentralnervensystem angesiedelt wird. Aber auch bei Einzellern muss diese Funktion irgendwo angesiedelt sein, wahrscheinlich übernimmt sie hier ein Gen. Und wahrscheinlich ist es auch bei höheren Tieren und beim Menschen so, dass sich diese Cheffunktion auf eine genetische Struktur zurückverfolgen lässt. Diese Lokalisierung spielt jedoch für die Regelkreisbetrachtungsweise keine Rolle. Hier ist lediglich diese Funktion entscheidend, die sozusagen das Gegenteil des Effektors ist. Man kann diese Funktion mit "Urteilsbildung" charakterisieren oder so beschreiben, dass diese Institution Entscheidungen trifft. Die Psychoanalyse spricht von dem Ich, einer psychischen Instanz, die zwischen dem Es (den Triebwünschen) und den Ansprüchen der Außenwelt vermittelt. Aber beim Neugeborenen gibt es gar nichts zu vermitteln, weil diesem zunächst Ansprüche der Außenwelt noch völlig unbekannt sind. Hier gibt es nur das, was man auch mit "bestimmen" bezeichnen könnte. Einer muss bestimmen, was gemacht wird. Der Befehlsgeber ist der oder das, was den Effektoren vorgibt, was sie im Ergebnis zu tun haben. Was im Einzelnen unternommen werden muss, wird hierbei gar nicht formuliert. Formuliert wird nur das Defizit, das auszugleichen ist, das Bedürfnis, das zu befriedigen ist. Wie der Effektor diesen Effekt erreicht, wird ihm überlassen. Wo die Mutter die Milch hernimmt, ob sie diese selbst in ihren Brustdrüsen produziert, oder ob sie diese im Einkaufsladen käuflich erwirbt, ist dem Bestimmer egal. Er will seine Milch und bekommt sie auch vom Effektor. Diese Beziehung von Bestimmer (Säugling) und Effektor (Mutter) ist die erste Beziehung im Leben des Systems Mensch. Es ist eine Beziehung von Herrscher und Diener, von Dominator und Effektor. Und in dieser Beziehung hat der Säugling die Rolle des Herrschers, des Dominators. Dies ist eine schicksalhafte Notwendigkeit, eine Gesetzmäßigkeit. Deshalb bleibt diese Rolle auch im späteren Leben seine wichtigste und liebste. Und deshalb hängt sein psychisches Wohlbefinden im Erwachsenenleben auch sehr davon ab, wie seine Eltern auf seine Bestimmerrolle als Neugeborenes und Säugling reagiert haben und ob und wie er diese Funktion im Erwachsenenalter übernehmen kann.

Ich kann hier natürlich immer nur das durchschnittliche Verhältnis zugrunde legen, die sogenannte "Normalsituation". Übernehmen die Eltern nicht ihre natürliche Effektorrolle und vernachlässigen ihren Säugling, so wird er ein schwaches Selbstwertgefühl entwickeln und zu seelischen Erkrankungen neigen, die mit depressiver Symptomatik einhergehen. Dies nur als Beispiel dafür, das die Philosophie lebender Systeme besonders der Psychologie Anregungen geben kann.

Nachdruck und Verbreitung, auch in Auszügen, mit welchen Medien auch immer, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags Philosophie des dritten Jahrtausends Gabbert, Spinozastr. 15, 12163 Berlin

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Zur Entspannung eine Kurzgeschichte von Rudi Zimmerman

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Das Sein. Ein lebendes System kann nicht nichts tun.

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Der chinesische Begriff der harmonischen Gesellschaft. Eine Stellungnahme von Rudi Zimmerman

Rudi Zimmerman
kr
eativer Philosoph
gelernter Arzt
Autor

"Der Mensch ist ein System …. Bei der Analyse des Systems "Mensch" haben wir es mit einem System von Kräften zu tun, …."  Erich Fromm 1970 in: Gesamtausgabe. Band IX. dtv. 1. Auflage April 1989. München. ISBN 3-423-59003-3, Seite 32
Die Philosophie lebender Systeme meint, dass auch die Kraftentfaltung körperexternen Energieträger, die das Individuum steuert, dem System Mensch hinzuzurechnen sind.

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Die Bedeutung der positiven Rückkopplung für die Einordnung des Individuums in die Gesellschaft

Die Beziehungen der Menschen beschrieben als Dominator-Effektor-Beziehungen

Beginn der Zivilisation - 1. Sesshaftigkeit

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Die offene Begrenzung als strukturelles Wesensmerkmal eines Lebenden Systems

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auch die Schöpfung neuer zusätzlicher körperexterner Organe des Menschen ist eine Metamorphose

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Die Datentransformation.
Das Individuum als selbstkopierender Datenträger und das Zeitalter des Systems Mensch.
ISBN 3-8311-1902-3

Philosophie lebender Systeme.
ISBN 3-00-004282-2
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ISBN 978-3-00-024701-9