Das Manifest 2010
der
Philosophie lebender Systeme

"Der Mensch ist ein System …. Bei der Analyse des Systems "Mensch" haben wir es mit einem System von Kräften zu tun, …."  Erich Fromm 1970 in: Gesamtausgabe. Band IX. dtv. 1. Auflage April 1989. München. ISBN 3-423-59003-3, Seite 32
Die Philosophie lebender Systeme meint, dass auch die Kraftentfaltung körperexternen Energieträger, die das Individuum steuert, dem System Mensch hinzuzurechnen sind.

 Die Wahrnehmung des Menschen

Kurzgeschichten
zur Entspannung

A
In der Berliner U-Bahn

U-Bahn-Esser

Die nette Motzverkäferin

Damenwahl

Die spitzen Schuhe

B
Im menschlichen Körper

Die tierischen Energiespeicher

Die Post des Körpers

C
Biograhisches

Der Auftritt

Der Maikäfer

D
Zur Zivilisation

Die Bedeutung des Nuckels

 

Aufsätze zur Rolle des Mannes:

Sexualität

Der Penisreflex

Der Brustneid

 

Die Wahrnehmung

Beispiel einer Wahrnehmung:

Ich gehe mit Nordic-Walking-Stöcken einen Feldweg entlang. Es ist noch dunkel, der Tag sollte jeden Moment erwachen.

Plötzlich vibriert mein Körper. Stromimpulse durchschießen Arme und Beine. Pulsierend wie bei einem Orgasmus. Der Körper erschaudert, eine Mischung aus Angst und Erregung. Dann höre ich ein Schnaufen, eine Art Fauchen. Ein nahes Geräusch wie von einem Drachen, der Feuer spuckt. Nun sehe ich links neben mir ein Pferd. Ich erlebe noch für etwa 5 Meter Gehstrecke die abnehmenden Erregungswellen im Körper, werde wieder ruhig.

Der Ablauf von Wahrnehmung

Wahrnehmung ist zunächst ein körperliches Geschehen. Das liegt daran, dass die Reizleitung von der Peripherie (den Augen, Ohren, der Haut – unserem größten Sinnesorgan, aus dem sich auch das Gehirn abgesondert hat - usw.) zunächst in Hirnzentren hinein erfolgt, die nicht im Großhirn liegen, sondern im Hirnstamm, dessen Unterstrukturen Mittelhirn, Pons und Medulla oblongata genannt werden. Von hier aus werden u.a. die Atmung, der Blutkreislauf (Blutdruck, Herztätigkeit), die Verdauung, (über den Vagusnerv, den Hauptnerven des parasympathischen Nervensystems – auch der Saugreflex hat hier seinen Sitz, wie auch der Brechreiz), der Säure-Base- und der Wärmehaushalt des Körpers gesteuert und die Orientierung im Raum (oben-unten, links-rechts, vorn-hinten) hergestellt. Informationen aus dem Körperinneren, beispielsweise über die Position der Gelenke und die Spannung der Muskulatur gehen zunächst hier ein. Akustische Informationen über die Außenwelt werden vom Innenohr, das auch das Gleichgewichsorgan enthält, zunächst hierhin geleitet. Erst von hier aus wird dann die Hörrinde im Großhirn benachrichtigt. Auch die Sehbahn gelangt vom Augenhintergrund zunächst in den Hirnstamm (zum Corpus geniculatum laterale). Auch das Zwischenhirn (Diencephalon), mit seinen Strukturen (u.a. Thalamus und Hypothalamus) kann dem Stammhirn zugerechnet werden. Alle Informationen aus der Umgebung des Körpers, die über die Sinnesorgane in den Körper gelangen und aus dem Körperinneren, gelangen zunächst in den Thalamus, das "Tor zum Bewusstsein" und werden hier zusammengefasst, verarbeitet und “verdichtet” (wie es die Psychoanalyse nennt), bevor sie in das Großhirn, beispielweise in der Sehrinde oder die Hörrinde. weitergeleitet werden. Bei diesem Umschaltvorgang im Thalamus wird die Informationsmenge, die in Bits quantifizierbar ist, um Zehnerpotenzen  reduziert. Die bewusste Wahrnehmung, die in der Rinde des Großhirns erzeugt wird, ist also bereits von unbewussten Hirnanteilen filtriert worden, bevor unser ICH, das geistige Zentrum des Menschen, eine Wahrnehmung (Hören, Sehen, Riechen usw.) bewusst erlebt. Über den Thalamus und den Hypothalamus wird das Hormonsystem des Körpers kontrolliert, so dass die im Unbewussten eingegangenen Informationen von Stamhirn umgehend in Hormonausschüttungen umgesetzt werden. In der Anhangdrüse des Hypothalamus, der Hypophyse, sind sogenannte "Releasingfaktoren" gespeichert, Hormone, die über das Blut in alle anderen Hormondrüsen transportiert werden und dort die Ausschüttung der Hormone steuern, die Körperaktivität über den Stoffwechsel (Aufgabe der Schilddrüse), den Blutdruck (Nebennierenmark) und die Bereitstellung des “Brennstoffs” Glucose für die Zelltätigkeit (Nebennierenrinde) regulieren. Diese hormonelle Umstellung des Körpers erfolgt parallel zur Informierung des Großhirns, so dass der Mensch vor Ausführung gezielter Bewegungen die Möglichkeit erhält, diese bewusst zu unterdrücken. Das bewusste Denken des Menschen erhält somit die Möglichkeit, eine Entscheidung gegen eine durch unbewusste Mechanismen vorbereitete Aktion zu treffen, "nein" zu sagen.

Folglich habe ich im obigen Beispiel zunächst eine Erregung im Körper verspürt und ein Gefühls des Schrecks und der Furcht erlebt. Aus welcher Richtung dies kam, darüber hatte ich zunächst keine Information. Mein Hirn wurde dann zunächst über die akustische Wahrnehmung, das Schnaufen, informiert. Nun war die Richtung klar, aus der die vermeintliche Bedrohung kam. Gleichzeitig wurden Assoziationen aus dem Gedächtnis ins Bewusstsein geholt, die die körperlichen und akustische Wahrnehmungen erklären könnten. Anschließend kontrollierte das Großhirn durch eine leichte Drehung des Kopfes und Vergewisserung über die optische Wahrnehmung, dass es ein für mein Überleben ungefährliches Pferd war, das mich erschreckt hatte. Beruhigung trat ein.

Abschließend möchte ich klärend hinzufügen, dass in dieser Beschreibung einer Wahrnehmung der Begriff umgangssprachlich verwendet wird. Tatsächlich handelt es sich bei dem beschriebenen Vorgang um ein Gemisch von Wahrnehmung im engeren Sinn, nämlich der Umwandlung von Materiellem in Geistiges, und dem, was als “Erleben” bezeichnet wird. Während das Erleben etwas Materiell-körperliches darstellt, besteht der Akt der bewussten Wahrnehmung lediglich in der Transformation des Körperlichen in Geistiges. Dieses Geistige bezeichnet Freud als “psychische Repräsentanz”.

Rudi Zimmerman

 

Nachdruck und Verbreitung, auch in Auszügen, mit welchen Medien auch immer, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags Philosophie des dritten Jahrtausends Gabbert, Spinozastr. 15, 12163 Berlin

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Zur Entspannung eine Kurzgeschichte von Rudi Zimmerman

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Die Beziehungen der Menschen beschrieben als Dominator-Effektor-Beziehungen

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