Das Manifest 2010
der
Philosophie lebender Systeme

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Im menschlichen Körper

Die tierischen Energiespeicher

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Biograhisches

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Zur Zivilisation

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Aufsätze zur Rolle des Mannes:

Sexualität

Der Penisreflex

Der Brustneid

 

 Johann W. von Goethe

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Hier ein Gedicht von
Johann Wolfgang Goethe

Gesang der Geister über den Wassern

Des Menschen Seele Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
zu Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dannn stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst Du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst Du dem Wind!

 

Und hier die Interpretation:

Goethe kündigt in den ersten zwei Zeilen des Textes des Gedichts einen Vergleich zwischen dem Wasser und der Seele das Menschen an. Am Ende des Gedichts kommt er darauf zurück.

Nun beschreibt er Bewegungen des Wassers, wie es fällt, steigt, schäumt und spritzt, gemächlich fließt, im See eine Spiegel bildet, er beschreibt sogar, dass es Geräusche macht und mit der Luft kommuniziert, so dass die Bewegung des Wassers Luftbewegungen erzeugt (Geräusche, Wind). Goethe beschreibt das Wasser also überwiegend optisch und zum Teil akustisch, also so, wie man es mit den Augen und den Ohren wahrnehmen kann. Seine Hypothese ist: genauso verhalte es sich mit der menschlichen Seele. Deren Bewegungen erzeuge das Schicksal des Menschen.

Was soll das bedeuten?

Diese Frage beantwortet uns Goethe schon vor dem Text des Gedichts, nämlich in der Überschrift: Gesang der Geister über den Wassern

Es geht ihm nicht (nur) um das, was man vom Wasser sehen und hören kann, seine Bewegungen und sein Gesang, sondern es geht um Geister. Das nun erinnert zunächst an die Genesis: der Geist Gottes schwebt über dem Wasser. Des Menschen Seele gleicht dem Wasser, aber über diesem – oder über der Seele - schwebt das Geistige!!!

Das Geistige, das nicht direkt Sichtbare, also das Unsichtbare, das lediglich an seinen Wirkungen erkannt werden kann, das nur daran erkannt werden kann, dass Bewegung sichtbar und hörbar wird, was ist das?

Die naturnäher lebenden Menschen der sogenannten "Kindheit der Menschheit" (Lewis Morgan) erblickten hier die Götter, den Wassergott, den Windgott usw.. Diese Vorstellung, dass Naturkräfte als Äußerungen der Götter interpretiert wurden, finden sich in allen Naturreligionen, im europäischen Raum z.B. bei Kelten und Germanen, aber auch bei den Griechen, den Begründern unserer westlichen Kultur. Die Götter waren die Beweger, die Ursache von Veränderung, auch die Ursache der Bewegungen des Wassers. Und Goethe macht dies auch für die Seele des Menschen geltend: sie entfalte selbst keine Kräfte, sie bewege sich nicht aktiv, sondern sie wird bewegt, und zwar vom Geist, von den Geistern über der Seele (dem Wasser).

Die sogenannten Geister, in den Naturreligionen die Götter, die u.a. das Wasser bewegen, sind nun inzwischen von den Naturwissenschaften als Kräfte definiert worden, deren Wirkungen man im wissenschaftlichen Experiment untersuchen und in Form physikalischer Gesetze beschreiben kann. Kräfte selbst sind nicht sichtbar, sondern sie sind nur an ihren Wirkungen sichtbar und hörbar und auf andere Weise durch unsere Sinnesorgane wahrnehmbar. Kraft kann in Form von Energie gespeichert werden. Es gibt verschiedene Energiearten, mechanische, chemische Energie, diese können ineinander umgewandelt werden, wobei das Gesetz der Erhaltung der Energie gilt: die Energiemenge des Univerversums ist unveränderlich, es kann keine Energie von außen in das Universum eindringen oder nach außen entweichen. Das Gesetz der Entropie hat für diese Betrachtung keine Bedeutung, deshalb brauchen wir es hier nicht zu erörtern. Hier, im Gedicht von Goethe, wird, wenn wir die optisch und akustisch wahrnehmbaren verschiedenen Erscheinungsformen des flüssigen Wassers betrachten, über dieses Wahrnehmbare hinaus nunmehr nicht das Wasser an sich beschrieben, das nach Kant auch gar nicht erkannt werden kann, sondern es wird ein Energiekreislauf beschrieben. Dieser Energiekreislauf des Wassers ist nun aus Sicht der Philosophie lebender Systeme das Wesentliche, um das es hier geht und das in der Überschrift als "Geister über den Wassern" bezeichnet wird.

Dieser Energiekreislauf beginnt - physikalisch betrachtet - eigentlich damit, dass das Wasser aufsteigt. Es steigt dadurch auf, dass an der Oberfläche der Meere durch die Einwirkung der Sonne, nämlich der Energiestrahlung (Photonen), die Wassermoleküle in Bewegung versetzt werden. Da diese Wärmeeinwirkung stärkere Kräfte entfaltet als die Gravitationskraft, die das Wasser an der Erdoberfläche haften lässt und die elektrischen Kräfte, die die einzelnen Wassermoleküle zusammenhält, verlassen einzelne Wassermoleküle die Gemeinschaft des Wassers und steigen in die Luft. "Wasser" ist ja eine Gemeinschaft einer großen Menge Wassermoleküle. Einzelne Wassermoleküle werden also durch die Einwirkung der Sonnenenergie hochgehoben, physikalisch gesprochen mit Energie aufgeladen, so dass sie in der Wolke, die sich bildet, potentielle Energie besitzen. Genauso wie eine Stein, den wir mit Hilfe unserer Muskelkraft hochheben, nun potentielle Energie besitzt, in die sich unsere Muskelkraft umgewandelt hat. Und wenn wir ihn loslassen, "fällt" er wieder, seine potentielle Energie wird in kinetische Energie umgewandelt. Ebenso fällt das Wasser aus den Wolken, wenn diese am Gebirge aufsteigen müssen, wieder zur Erde herab, so dass ein Teil der in den Wassermolekülen gespeicherten ehemaligen Sonnenenergie nun durch die Wirkung der Gravitationskraft frei wird. Die Gravitationskraft zieht das Wasser weiter in die Tiefe, der Bach fließt den Berg hinab, im See wird das Wasser nun von der Erde getragen, kann nicht weiter fließen. Landet das Wasser schließlich wieder im Meer, ist der Energiekreislauf beendet. Wasser bleibt - wie die menschliche Seele - wie es ist, wenn keine Kräfte, z.B. die Wärmeenergie der Sonne, auf es einwirken und wieder hochheben. Während aber nun das Wasser diesen Energiekreislauf immer wieder von neuen durchläuft, kommt nun der Geist des Menschen dazwischen. Die Seele mag wie das Wasser einem ständig sich wiederholenden Kreislauf folgen, aber der Geist des Menschen – ein Geist über dem Wasser, aber kein Gott, sondern ein ganz realer Geist, der im Menschen sich entwickelt hat und der über dem Wasser in dem Sinne ist, dass er Gewalt über das Wasser ausüben kann, tritt in diesen ewigen Kreislauf ein und verändert diesen. Mit Hilfe seines Hirns, seiner Muskeln und seiner Hände, also mit Hilfe seines lebenden materiellen Körpers, seines physischen Leibes, baut der Mensch eine Wassermühle, setzt ein Mühlrad in den Bach und wandelt einen Teil der im Wasser befindlichen Sonnenenergie in mechanische Energie um, die nun Arbeit für den Menschen verrichtet. Der Mensch muss nicht mehr mit Hilfe seiner Muskelkraft Korn zerkleinern, weil ihm nun im Grunde die in mechanische Energie verwandelte Sonnenenergie die Arbeit abnimmt. Der Mensch staut nun, indem er seinen Geist sinnvoll verwendet und die ihm entspringenden Ideen mit Hilfe seines Körpers realisiert, in Realität verwandelt, den fließenden Bach durch einen Staudamm und wandelt die mechanische kinetische Energie des fallenden Wassers mit Hilfe von Generatoren in elektrische Energie um und betreibt mit diesem Strom der Elektronen Glühbirnen, die die Nacht zum Tag machen, betreibt Fahrzeuge und spart weiter eigene Muskelkraft. Der Geist befähigt den Menschen, die Kräfte seines lebenden Körpers, die er durch mühsame Beschaffung und Aufnahme von Nahrung mit Energie beliefern muss, zu sparen und seine Kräfte durch den Einsatz von Maschinen, die mit Strom betrieben werden, der durch die Umwandlung von Sonnenenergie, die im Wasser steckt, gewonnen wurde.

Dies, der menschliche Geist, ist auch einer der Geister, die sich "über" dem Wasser befinden, über das Wasser herrschen, und die im Wasser befindliche Sonnenenergie umwandeln in andere Energieformen und nutzen für ihren Zweck. Indem Goethe die sinnlich wahrnehmbaren Bewegungen des Wassers beschreibt, aber in der Überschrift hinweist auf die Geister über dem Wasser, beschreibt er auch den menschlichen Geist, der das Wasser bewegt und der die Seele bewegt.

Das Verhältnis vom Geist zur Seele ist nach Goethe das Verhältnis der bewegenden Kräfte zur passiven Seele, dem "Wasser". Zu ergänzen ist jedoch, dass der menschliche Geist den ewigen Kreislauf der Seele zu unterbrechen vermag und die in der Seele gespeicherten Kräfte für seine Zwecke zu nutzen vermag. Und hier nun tritt auch die menschliche Entscheidungsfreiheit in die Welt, die Freiheit, sich für das Gute oder das Böse zu entscheiden, die seelischen Kräfte oder die Kräfte des Wassers zum Nutzen der Menschen zu verwenden oder zu ihrem Untergang. Und wenn ich nun den Blick meines Auges auf die Menschheit werfe, erkenne ich mit Grausen, dass der menschliche Geist die seelischen Kräfte des Menschen und die Energien der Natur hemmungslos und rücksichtslos in einer Weise verwendet, die die Menschheit in ihren Untergang treibt.

Rudi Zimmerman, den 4.3.2010

 

Nachdruck und Verbreitung, auch in Auszügen, mit welchen Medien auch immer, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags Philosophie des dritten Jahrtausends Gabbert, Spinozastr. 15, 12163 Berlin

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"Der Mensch ist ein System …. Bei der Analyse des Systems "Mensch" haben wir es mit einem System von Kräften zu tun, …."  Erich Fromm 1970 in: Gesamtausgabe. Band IX. dtv. 1. Auflage April 1989. München. ISBN 3-423-59003-3, Seite 32
Die Philosophie lebender Systeme meint, dass auch die Kraftentfaltung körperexternen Energieträger, die das Individuum steuert, dem System Mensch hinzuzurechnen sind.

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